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Wing Chun Kung Fu

Im 18. Jahrhundert entwickelten die Mönche von Shaolin, unter ihnen die legendäre Nonne Ng Mui, ein Kampfsystem, das nur die effektivsten Techniken und Trainingsprinzipien der ihnen bis dahin bekannten Kung-Fu Stile beinhaltete. Maßgeblich für die Auswahl der Techniken war stets die Bedingung, dass die Kämpfer auch gegen größere und kräftigere Gegner siegreich sein konnten. Daher ist Wing Chun wie kein zweites System besonders für Frauen geeignet. Durch Wing Chun wurde es möglich, schnell und effektiv kämpfen zu lernen, auch gegen körperlich überlegene Gegner.

Durch spezielles Sensibilisierungstraining der Arme (Chi Sao) lernt der Schüler, Lücken in der Deckung des Gegners zu erkennen und blitzschnell auszunutzen. Da Wing Chun immer allen anderen Kung-Fu Stilen überlegen war, wurde es über die Jahrhunderte hinweg, wie ein Erbstück, nur an wenige ausgewählte Schüler/innen weitergegeben. Erst Bruce Lee durchbrach diese Tradition und gab sein Wissen in für jedermann offenen Lehrgängen in Amerika weiter.

Wing Chun ist kein Sport, sondern ein Kampfsystem ohne Regeln. Damit bietet es auch heute noch eine auf den Ernstfall bezogene, kompromisslose Form der Selbstverteidigung. Wing Chun ist direkt, benutzt nur kurze ökonomische Bewegungen und hat ausschließlich tiefe Tritte. Daher ist dieses Kampfsystem in nahezu jedem Alter und ohne spezielle körperliche Voraussetzungen erlernbar. Geschichte: Der Ursprung des Wing Chun 
von Großmeister Yip Man (Quelle: Genealogy of the Ving Tsun Family).

Die Ahnfrau des Wing Chun Systems, das verstorbene Fräulein Yim Wing Chun wurde in der Kwangtung Provinz in China geboren. Als junges Mädchen war sie klug und aufgeweckt und für ihre “männlichen” Charaktereigenschaften bekannt. Sie wurde schon als Kind mit Herrn Leung Bok Chau, einem Salzhändler aus der Fukien Provinz verlobt. Kurz darauf starb ihre Mutter. Ihr Vater, Yim Yee, wurde mit einer falschen Anklage bedroht. Er wollte das Risiko eingesperrt zu werden nicht eingehen und floh deshalb zusammen mit seiner Tochter. Schließlich ließen sie sich am Fuße des Tai Leung Berges an den Grenzen der Yunnan und Szechwan Provinzen nieder, wo sie ihren Lebensunterhalt mit einem Tofu-Verkaufsstand verdienten. Es war während der K’angshi Regierung der Ching Dynastie, als die Anhänger des Shaolin Kung-Fu Stiles wegen ihrer Kampfkunst so berühmt waren, daß die Ching Regierung sich deshalb Sorgen machte und beschloß, die Mönche zu töten und das Kloster am Sung Berg der Honan Provinz in Zentralchina zu vernichten. Soldaten wurden mit dem Befehl ausgesandt, das Kloster zu zerstören und die Religionsgemeinschaft auszulöschen. Aber die Mönche des Shaolin Klosters und ihre Anhänger leisteten so starken Widerstand, daß selbst nach langem und hartem Kampf immer noch unversehrt war. Chan Man Wai, der bei der Beamtenprüfung als Bester des Jahres abgeschnitten hatte, wollte sich bei der Regierung einen Namen verschaffen, und trug ihr seinen Plan vor. Um den Plan durchzuführen, verschwor er sich mit einigen Mönchen des Shaolin Klosters. Der wichtigste von ihnen hieß Ma Ning Yee, der sich überreden ließ, seine eigenen Kameraden zu verraten, indem er hinter ihrem Rücken das Kloster in Brand steckte. Auf diese Weise gelang es schließlich doch, das Shaolin Kloster abzubrennen, worauf sich die Mönche und ihre Schüler in alle Teile Chinas zerstreuten.

Unter den Überlebenden müssen als besonders erwähnenswert folgende genannt werden: die buddhistische Meisterin Ng Mui, Meister Chi Shin, Meister Pak Mei, Meister Fung To Tak und Meister Miu Hin. Diese konnten entkommen und sich verborgen halten. Die buddhistische Meisterin Ng Mui nahm Zuflucht im Tempel des Weißen Kranichs am Hang des Tai Leung Berges, den man auch Chai Har Berg nannte. Dort machte sie die Bekanntschaft von Yim Yee und seiner Tochter Wing Chun, bei denen sie auf dem Heimweg vom Markt oft Tofu zu kaufen pflegte. Im Alter von 15 Jahren trug Wing Chun ihr Haar hochgebunden, wie es damals üblich war, um zu zeigen, daß sie heiraten durfte. Ihre Schönheit erregte die Aufmerksamkeit eines ortsbekannten Schlägers, der sie mit Androhung von Gewalt zwingen wollte, ihn zu heiraten. Die wiederholten Drohungen des Schlägers gaben Wing Chun und ihrem Vater ständigen Grund zur Sorge. Als die buddhistische Meisterin Ng Mui davon hörte, hatte sie Mitleid mit Wing Chun und nahm sie als Schülerin auf. Ng Mui versprach, Wing Chun die Kunst des Kämpfens zu lehren, damit diese selbst in der Lage sei, sich des Schlägers zu entledigen und ihren Verlobten zu heiraten. Von dem Tag an folgte Wing Chun der Ng Mui und übte täglich Kung Fu. Als sie die Techniken, die Ng Mui ihr beigebracht hatte, meisterte, forderte Yim Wing Chun den Schläger, der sie so sehr belästigt hatte, zum Kampf heraus und besiegte ihn.

Darauf verließ Ng Mui Yim Wing Chun und setzte ihre Reisen durch das Land fort. Vorher hatte sie aber noch Wing Chun das Versprechen abverlangt, die Kampfkunst zu bewahren und den Patrioten zu helfen, die Ching Dynastie zu stürzen und die Ming Regierung wieder einzusetzen. Aus diesem Bericht kann man schließen, dass das Wing Chun System von Ng Mui abstammt. Nach ihrer Hochzeit gab Yim Wing Chun die Kunst an ihren Gatten Leung Bok Chau weiter, der wiederum Leung Lan Kwai unterrichtete. Leung Lan Kwai brachte diese Kunst dann seinerseits Wong Wah Bo bei, einem Mitglied einer Operngruppe an Bord einer Dschunke, die die Chinesen eine Rote Dschunke nennen. Unter den Kameraden von Wong Wah Bo auf der Roten Dschunke gab es einen gewissen Leung Yee Tei, der die Langstock Techniken von einem Koch des Schiffes gelernt hatte. Am Ende stellte sich heraus, dass der Koch kein anderer als der Meister Chi Shin des abgebrannten Shaolin Klosters vom Sung Berg der Provinz Honan war. Diese Geschichte haben wir oben erzählt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Wong Wah Bo und Leung Yee Tei führte zum Informationstransfer von einem Kung-Fu Stil zum anderen und endete schließlich damit, dass die Langstock Techniken Bestandteil des Wing Chun Systems wurden.

Leung Yee Tei unterrichtete dann Leung Jan, einen berühmten Arzt aus der Stadt Fatshan in der Provinz Kwangtung. Leung Jan lernte alle Geheimnisse der Kunst und erreichte den höchsten Grad an Perfektion. Herausforderer, die von Nah und Fern herbeieilten, wurden alle besiegt. Später gab er seine Techniken an meinen verehrten Sifu Chan Wah Chun weiter, von dem meine älteren Kung-Fu Brüder Ng Siu Lo, Ng Chung So, Chan Yu Min, Lui Yu Chai und ich selbst während der Dutzende von Jahren, die wir ihm folgten, diese Kunst erlernten. Es kann also gesagt werden, dass das Wing Chun System uns in einer direkten Linie von Nachfolgern von seinem Entstehen bis zum heutigen Tag weitergegeben wurde. Ich schreibe diese Geschichte des Wing Chun in respektvollem Andenken an meine Vorgänger. Der Mensch soll immer an die Quelle des Wassers denken, das er trinkt. Aufstieg und Fall der Wing Chun Familie 
von Sifu Duncan Leung (Quelle: Inside Kung-Fu September 2000) Im Hong Kong der frühen 1950er Jahre waren die Chinesischen Kampfkünste beliebt unter den jungen Leuten und in der Arbeiterklasse. Es gab viele verschiedene Stile wie Hung Gar, Weißer Kranich, den Drachen Stil und Choy Lai Fut. Das Wing Chun musste noch entdeckt werden.

Ein junger Mann aus Foshan in China, Yip Man, lebte zu dieser Zeit dort. Er hatte Wing Chun in China gelernt und setzte seine Ausbildung in Hong Kong unter Leung Bik fort. Er begann mit seinem Unterricht in den Räumen der “Restaurant Association”. Später eröffnete er seine eigene kleine Schule in seiner Wohnung, die im Viertel der aus China Umgesiedelten lag und etwa 12 qm groß war. Die Jahre vergingen und er unterrichtete einige gute Schüler, so dass der Stil öffentlich bekannt wurde. Zu dieser Zeit forderten sich Vertreter der verschiedenen Stile oft privat heraus. Die frühen Schüler von Yip Man wie Lok Yiu und Wong Sheung Leung waren die eifrigsten und in ihren Kämpfen sehr erfolgreich. Bruce Lee und Ted Wong hatten ihre eigenen Schulen und einige, u.a. Tsui Sheung Tin, begannen, privat zu unterrichten. 1957 ging William Cheung, ein weiterer früher Schüler Yip Mans, nach Australien. Auf dem Weg dorthin kam es zu einem Zwischenfall. Er schloss sich in der Matrosenkabine ein und kämpfte gegen mehr als zehn der Seeleute. Die Nachrichten darüber und den überragenden Wing Chun Stil füllten die Schlagzeilen der Australischen Zeitungen. Etwa ein Jahr später ging Bruce Lee in die Vereinigten Staaten. Mit dem Start der Fernsehserie “The Green Hornet” wurden die Amerikaner auf seine Kampfkunstfähigkeiten aufmerksam. Später ging er zurück nach Hong Kong und machte mehrere Filme, die die Welt schockierten. Die ganze Welt begann, etwas über Chinesisches Kung-Fu zu erfahren, besonders über den Wing Chun Stil. Nach Leung Sheungs Tod unterrichtete Leung Ting, einer seiner Schüler, einen Mann namens Gainsburg in Deutschland und brachte so das Wing Chun dorthin. Dann verbreitete Victor Kan Wing Chun in England.

Yip Mans Neffe Lo Man Kam machte die Kunst in der Schweiz und seiner Heimat Taiwan bekannt. Wing Chun wurde zur beliebtesten Kampfkunst der Welt. Als die Beliebtheit des Wing Chun ihren Höhepunkt erreichte, starb Yip Man. Bereits vor seinem Tod 1972 hatte Yip Man aufgehört zu unterrichten. Sein Rat jedoch war weiterhin gefragt. Seine ersten Jahre in Hong Kong waren sehr hart aber im hohen Alter wurde er von einigen reichen Schülern unterstützt, wie von Dung Sing und Chan Jee Chu, welche bei der “Hong Kong Royal Police” arbeiteten. Er wurde als Oberhaupt der Wing Chun Familie verehrt und hatte, durch die Hilfe dieser Schüler, einen angenehmen Lebensabend. Leider benannte er keinen Nachfolger für die Führungsrolle im Wing Chun. Es ist möglich, dass er niemanden gefunden hatte, den er mochte oder der geeignet gewesen wäre.

Vielleicht hat er sich im hohen Alter auch nicht mehr mit dieser Frage befasst. Welche Gründe auch immer dazu führten, Yip Man war wirklich der letzte Großmeister des Wing Chun Stils. Nach seinem Tod wurde den Mitgliedern der Kampfkunstfamilie langsam klar, dass sie auf sich gestellt waren. Das Wing Chun ist heute eine sehr große Familie mit Schulen auf der ganzen Welt. Aber jede erfolgreiche Organisation braucht einen Führer, der alle vereint und bei der Zusammenarbeit unterstützt. Die Erben und Schüler von Yip Man, die am besten dafür qualifiziert gewesen wären, uns zu vereinen und zu führen, waren aus den verschiedensten Gründen nicht gewillt oder nicht in der Lage dies zu tun. Heute, 27 Jahre nach Yip Mans Tod, entfernen sich die Mitglieder der Wing Chun Familie immer weiter voneinander. Ohne Führung beginnen einige, auf ihre eigene Weise zu unterrichten, andere kritisieren diejenigen, die nicht mit ihrer Art des Unterrichts einverstanden sind. Wieder andere entwickeln sogar Theorien, die Yip Man niemals lehrte. Es gibt auch solche, die den Anspruch erheben, die einzig “wahren” Lehrer des Wing Chun zu sein. Sie behaupten, dass nur diejenigen rechtmäßige Wing Chun Lehrer sind, die sie getestet und für qualifiziert befunden haben. Unglücklicherweise beeinträchtigen Ansprüche dieser Art die Glaubwürdigkeit der gesamten Bewegung und tragen nur dazu bei, die Wing Chun Familie zu teilen.

Wing Chun ist ein Kampfkunststil, es geht hier also um das Kämpfen. Man muss lange lernen und trainieren. Man muss es im Kampf einsetzen, um Erfahrungen in der Anwendung zu sammeln. Das ist sehr bedeutend. Schließlich kann es hierbei um Leben und Tod gehen. Es ist keine Urkunde, die man sich kaufen kann. So einfach ist es nicht. Jeder, der eine lange Zeit gelernt, trainiert und damit gekämpft hat, sollte einige Wahrheiten der Kunst verstanden haben. Wie kann jemand, der die Erfahrungen aller anderen anzweifelt und sich selbst als den einzig “wahren” Künstler der Welt bezeichnet, mit dieser Einstellung versuchen andere zu führen?

Die Grundlagen des Wing Chun sind in den Formen dargelegt, die uns Yip Man hinterlassen hat, aber die Prinzipien und Theorien wurden mündlich von ihm weitergegeben. Mag auch jeder einzelne die Ideen ein wenig anders interpretieren, ich bin sicher, Yip Man wäre froh, wenn wir, die wir von ihm gelernt haben, seine Lehre weitergeben. Wenn wir eine gute Führung hätten, die alle zusammenbringt um Erfahrungen und Ideen unvoreingenommen zu akzeptieren und auszutauschen, dann könnte das Wing Chun blühen. Jeder würde von diesem Wissen profitieren. Ohne diese starke Bindung und die Unterstützung unter den Wing Chun Mitgliedern werden die Prinzipien und Theorien, die uns Yip Man hinterließ, von Generation zu Generation verloren gehen. Eines Tages wird den Stil niemand mehr kennen. Dann wird Wing Chun nur irgendein Name in der Geschichte der Kampfkünste sein.


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